Kapitel 5

(V) Wirkung von LSD auf den menschlichen Organismus

Wie schon in der Einleitung erläutert wurde, kann man die Wirkung von LSD man auf zwei Ebenen betrachten und beschreiben: Einerseits die Wirkung auf der neurobiologischen Ebene der Synapsen und Mikroverbände der Neuronen. Andererseits die Ebene des menschlichen Verhaltens, also vor allem der Psychologie. Natürlich schließt die zweite Ebene aus der ersten, dennoch gibt es bei einer Verbindung der beiden Betrachtungsweisen erhebliche Probleme.

Schwierig ist es, die Wirkungsweisen von LSD auf einzelne Nervenzellen mit der Wirkung auf den Organismus bzw. auf das Verhalten des Organismus zu verbinden. Wie wir sehen werden, gibt es zwischen den beiden Ebenen anschauliche Parallelen, dennoch wird es nicht möglich sein, aus den unter LSD-Einfluss stehenden neuronalen Mechanismen das gesamte Verhaltensbild des Menschen zu erschließen. Die Verbindungen zwischen Psychologie und Neurologie sind im Gegensatz zu ihren beiden Polen weniger gut erforscht worden.

(V.A) Pharmakologie (Toxikologie)

Aus pharmakologischer Sicht kann man den Weg von LSD durch den Organismus in mehrere Phasen unterteilen: Die Aufnahme (Applikation, Exposition) des Wirkstoffs in den Organismus geschieht in der Expositionsphase. Hier stellt sich die Frage, wie der betreffende Stoff in den Körper gelangen kann und ob er durch die Haut, Atemwege oder Verdauungsorgane in den Organismus gelangt ist.

In der pharmakokinetischen (toxokinetischen) Phase wird der Wirkstoff transportiert und verteilt (Invasion) oder er wird abgebaut, metabolisiert und ausgeschieden (Evasion).

Wenn der Wirkstoff seine Wirkungsstätte erreicht hat, d.h. sich an dem spezifischen Zielorgan, den Rezeptoren, befindet und seine eigentliche Wirkung entfaltet, spricht man von der pharmakodynamischen oder toxodynamischen Phase. Wichtig in der pharmakodynamischen Phase ist die Unterscheidung zwischen den Prozessen, die an dem Zielorgan einen durch den Wirkstoff hervorgerufenen Reiz erzeugen, und den Prozessen, die nach der Auslösung im Wirkort stattfinden (Effekt). Diese Reihe von Prozessen ist nicht mehr abhängig von den spezifischen Eigenschaften des Auslösers des Reizes, sondern nur noch vom Reiz selbst. Daher müssen das Zielorgan und der Wirkort nicht zwingend identisch sein; so wirkt z.B. Strychnin an den Synapsen des Zentralnervensystems (Zielorgan), die hervorgerufenen und beobachtbaren Krämpfe (Effekt) betreffen das Muskelgewebe (Wirkort).

Auch ist nicht immer der Ort mit der höchsten Konzentration des Wirkstoffs das Zielorgan, vielmehr ist die Konzentration meistens in der Leber und den Nieren am höchsten, da die Substanz hier metabolisiert bzw. ausgeschieden wird. Dennoch entscheidet die Konzentration am Zielorgan über die Stärke des pharmakologischen Effekts.

Im folgenden soll die Gliederung in Phasen übernommen werden, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf die letzte und gleichzeitig wichtigste, die pharmakodynamische Phase gelegt wird und die ersten beiden Phasen nur kurz angesprochen werden sollen.

(V.B) Darreichungsformen (Expositionsphase)

LSD als Rauschmittel wird im allgemeinen in Lösung auf saugfähiges Papier gegossen und so verkauft und geschluckt. Es kann auch intravenös appliziert oder geraucht werden. Die Handhabe in Form der Darreichung der Lösung auf Papier ist angesichts der niedrigen Dosen, die zur Wirkung führen, am leichtesten.

(V.C) Pharmakokinetik (Der Metabolismus von LSD)

Bei Mäusen und Ratten befindet sich die höchste Konzentration von LSD in der Galle, gefolgt von Plasma, der Leber und dann der Niere. Der LSD-Gehalt in Gehirn, im Darm und in der Milz, in der Muskulatur und im Fettgewebe ist relativ gering. LSD wird im Plasma zu 40-70% an Proteine gebunden. Die Halbwertszeit für LSD beträgt bei Mäusen sieben Minuten, bei Ratten 15 Minuten, beim Menschen jedoch ca. 3 Stunden.

(V.D) Pharmakodynamik (Die Wirkung im Zentralnervensystem)

Die Wirkungen von LSD auf das Zentralnervensystem lassen sich beschreiben, indem man das serotoninerge System und seine Bedeutung mit den bei LSD-Benutzung auftretenden Änderungen der Wahrnehmung und dem Verhalten vergleicht. Aufschluss über die Wirkung von LSD geben also die Parallelen zwischen den durch LSD hervorgerufenen Änderungen von physiologischen Größen und dem Verhalten sowie der Wahrnehmung.

Die Parallelen, die ich aufzeigen werde, sind von mir angestellte Vermutungen und sind meines Wissens nach noch nicht erforscht worden, zumindest lag mir darüber keine Literatur vor. (Vielleicht gibt es ähnliche Ansätze in dem bei Springer erschienenem Buch "Neurowissenschaft vom Neuron zum Bewusstsein".)

(D.1) Wirkung von LSD auf den Serotoninkreislauf

LSD hat eine rezeptorspezifische Wirkung auf den Serotoninkreislauf. Größtenteils wirkt LSD hemmend auf 5-HT1-Rezeptoren. Es ist also überwiegend ein Antagonist für Serotonin an 5-HT1-Rezeptoren. In bestimmten Fällen wirkt es jedoch auch als partieller Agonist an 5-HT1-Rezeptoren. Die Wirkung auf Rezeptoren des Subtyps 5-HT2 ist ebenfalls zwiespältig; es ist entweder Antagonist oder Agonist (25% der Wirkungsstärke) für Serotonin.

Die genauen Zusammenhänge sind bisher nur in Ansätzen erforscht worden und sehr ungesichert. Die Ergebnisse beziehen sich auf in vitro gemachte Versuche und nicht auf Versuche im lebenden Organismus. Ich beschriebe daher die Wirkung von LSD im Folgenden nicht mehr der Ebene der Neuronen, sondern auf der Ebene der funktionellen Organe des menschlichen Gehirns.

(D.2) Wirkung auf das Zentralnervensystem und die Körperfunktionen

In diesem Abschnitt sollen die Parallelen zwischen den möglichen Wirkorten von LSD (als Agonist oder Antagonist) und den auftretenden Körperfunktionen beschrieben werden.

Die Körperfunktionen, die von LSD beeinflusst werden, liegen in Teilen des vegetativen Nervensystems. Wie wir gesehen haben, sind die wichtigsten Abschnitte des vegetativen Nervensystems der Hirnstamm, der Thalamus und der Hypothalamus. Es ist nun bekannt, dass in allen genannten Organen 5-HT-Rezeptoren vorhanden sind. Hier lässt sich eine anschauliche Verbindung ziehen: Durch den Einfluss von LSD können die folgenden Wirkungen auf die Physiologie des Organismus auftreten:

Es wird deutlich, dass LSD wichtige Körperfunktionen über das vegetative Nervensystem beeinflussen kann. Vor allem wirkt es im Sympathicus, zu dem unter anderem das Kreislaufzentrum des Hirnstammes (Medulla oblongata und Pons) gehört. Neben dem direkten Einfluss auf diese Systeme beeinflusst es vermutlich die Ausschüttung von Hormonen über den Hypothalamus durch die Hypophyse.

Die genannten Wirkungen lassen sich bei vielen Arten beobachten, nicht nur beim Menschen. Die Wirkung bei niedrigeren Arten beschränken sich nur auf vegetative Funktionen und angeborene Verhaltensweisen, diese befinden sich offensichtlich in den Abschnitten des Gehirnes, die alle Arten besitzen.

(D.3) Wahrnehmung

Die wichtigste Änderung der Wahrnehmung ist die Intensivierung des Wahrgenommenen und die Überschneidung (Synthese) verschiedener Sinnesmodalitäten:

Die Steigerung der Intensität des Wahrgenommenen geht vermutlich auf die durch LSD beeinflussten Wahrnehmungsfilter des Hirnstammes zurück. Diese ebenfalls mit serotoninergen Neuronen in Verbindung stehenden Filter verlieren ihre Wirkung, wenn sie durch LSD beeinflusst werden. Da die serotoninergen Neuronen im Hirnstamm durch Serotonin inhibitiert werden und dadurch die Frequenz der durchlaufenden Reize verringert wird, kann man diesen Mechanismus für die Filterfunktion verantwortlich machen. LSD würde, wenn es als Antagonist wirkt, die Hemmung durch Serotonin aufheben. Damit würde die Frequenz der durchlaufenden Reize nicht verringert werden.

Die Synthese der Sinnesmodalitäten ("Ich schmecke was ich sehe") geht entweder ebenfalls auf den Hirnstamm zurück, dort liegen die einzelnen Nervenstränge und Kerne nah bei Neuronen des serotoninergen Systems, sodass hier eine gewisse Wirkung zu vermuten wäre. Oder die weitere Verschaltung im Thalamus, die ebenfalls durch LSD beeinflusst werden kann, ist für die Synthese der Sinnesmodalitäten verantwortlich. Aus beiden Uraschen heraus werden vermutlich die spezifischen Projektionen auf den sensorischen Cortex gestört.

Die Störung der Zeitwahrnehmung geht vermutlich ebenfalls auf Teile des Hirnstammes zurück. Wenn LSD das ARAS beeinflusst, könnte Teilen des nachgeschalteten Zentralnervensystems suggeriert werden, dass sich der Körper im Schlafzustand befindet und dadurch die Zeitwahrnehmung gestört wird. Auch lässt sich auf die Wirkung von LSD im ARAS die Schwankungen des Blutdrucks und der Temperatur zurückführen, da diese während des Rauschzustandes den Werten eines normalen Schlafes entsprechen.

(V.E) Verhalten (Psychologie)

Die für die Verhaltensänderungen verantwortlich gemachten Orte des Gehirns werden zwar von Serotonin bzw. LSD innerviert, jedoch sind sie so komplex aufgebaut, dass eine genaue Aufschlüsselung der Mechanismen bisher noch nicht möglich war.

(E.1) Verhaltensänderung durch Einfluss auf das serotoninerge System

Verhaltensänderungen, die Gefühlsänderungen beschreiben, lassen sich auf das limbische System und seiner Rolle bei der Entstehung von Emotionen zurückführen. Vor allem der Hippocampus als Teil des limbischen Systems ist angefüllt mit Serotonin-Rezeptoren. Hier könnte die Ursache für Änderungen des Gemütszustandes liegen, in positive oder negative Richtung. Die Beeinflussung der Gefühlslage durch die Umwelt ist auf die enge Verknüpfung von sensorischem Cortex, den Assoziationsgebieten und dem limbischen System zurückzuführen. Auch das Wiedererleben von Erinnerungen könnte auf Einflüsse von LSD auf das limbische System und den Verbindungen zum Frontallappen des Gehirns zurückzuführen sein. Ebenso die Störung von Gedächtnisprozessen, die Verschlechterung des Urteilsvermögens, lässt sich auf die Wirkung von LSD auf das limbische System und/oder den Frontallappen zurückführen. Halluzinationen sind ebenfalls Produkte der höchsten Ebene der Gehirnfunktionen. Hier wäre eine Verbindung zwischen den Assoziationsgebieten und dem sensorischen Cortex verantwortlich, da die Halluzinationen einerseits ohne äußere Wahrnehmung entstehen können und andererseits die normal wahrgenommen Reize verändert werden können. Folgende Halluzinationen können beobachtet werden:

Alle diese Wahrnehmungen weisen auf eine kombinierte Veränderung der Mechanismen im Hirnstamm und dem Thalamus hin, sodass die spezifischen Projektionen auf den visuellen Cortex nicht mehr korrekt sind, darüber hinaus scheint eine Verbindung zu den corticalen Assoziationsgebieten zu bestehen.

Alle weiteren Verhaltensänderungen, wie zum Beispiel die Depersonalisierung lassen sich auf so komplexe Verschaltungen zurückführen, dass ein deutlicher Bezug nicht klar herzustellen ist. Alle höheren Gehirnfunktionen, die durch LSD gestört werden und sich durch verändertes Verhalten bemerkbar machen, haben ihren Ursprung in bestimmten Arealen des unspezifischen (frontalen) Cortex (Assoziationsgebiete) und dem limbischen System, dort gibt es jeweils serotoninerge Neuronen mit Rezeptoren unterschiedlicher Subtypen. Die auftretenden Störungen können wieder in der Hierarchie tiefer liegende Hirnbereiche innervieren. Gleichzeitig gibt es immer einen Einfluss von LSD auf das gesamte Gehirn, induziert dadurch, dass die im Hirnstamm entspringenden Nervenverbindungen sich in das gesamte Gehirn erstrecken. Es entsteht ein komplexes Netz aus gegenseitigen Beeinflussungen, die auf die Wirkung von LSD in den jeweiligen Hirnregionen zurückzuführen sind. Feinste Verhaltensanpassungen an die Umwelt sind auf dem Gerüst des groben, artspezifischen und (relativ) einfachen Verhaltens aufgebaut. Eine Beeinflussung dieser tief liegenden Verhaltensebene legt eine der in der Hierarchie darüber liegenden Änderung des Feinverhaltens nahe. Da Tieren niederer Arten diese ausgeprägten hohen und komplexen Hirnregionen fehlen, lassen sich bei diesen auch keine Halluzinationen und ähnliche Effekte und Verhaltensänderungen beobachten, sondern nur Änderungen in angeborenen (Verhaltens-) Mechanismen.

(E.2) Gesamtbetrachtung des Einflusses von LSD auf das Gehirn

Eines wird bei der Betrachtung des Wirkungsspektrums deutlich: Offensichtlich setzt LSD bis auf die genannten Filtermechanismen des Stammhirnes - kein einziges Organ des Gehirnes vollkommen außer Kraft. Es beeinflusst die niedrigsten (einfachsten) wie die komplexesten (höchsten) Hirnfunktionen. Die Effekte sind daher vielfältig, einerseits werden physiologische Größen verändert und andererseits die Wahrnehmung, die Gefühlslage und das Bewusstsein.

Die berauschte Person behält (meistens) ihr Selbstbewusstein, obwohl einige Konsumenten davon berichten, ihren Körper verlassen zu haben. Sie behält auch ihre Fähigkeit, komplexere Denkvorgänge durchführen zu können, obwohl die Anzahl der Fehler bei rein logischen Operationen (z.B. Rechenaufgaben) zunimmt.

(V.F) Wirkung bei Zugabe einer Überdosis

Eine Überdosis wirkt nicht tödlich (siehe Chemie des LSD). Ab einer bestimmten Dosis lässt sich die Wirkung von LSD nicht mehr steigern. LSD ist jedoch länger im Körper vorhanden, was dazu führt, dass der berauschte Zustand länger andauern kann, in Einzelfällen bis zu vier Tagen. Eine niedrigere Dosis LSD kann die Wirkung verringern, sodass bestimmte Rauschzustände gar nicht stattfinden können. Es gibt einige potente Gegenmittel gegen LSD. Diese wirken auch bei anderen Rauschgiften, sind also nicht spezifische Antagonisten für LSD.

(V.G) Abhängigkeit

Eine tatsächliche Abhängigkeit sei sie körperlicher oder psychischer Art entsteht auch bei dauerhaftem LSD-Konsum nicht. Der menschliche Körper bildet zwar eine Toleranz gegenüber LSD aus, sodass bei häufigerem Konsum höhere Dosen genommen werden müssen, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Dennoch gibt es keine für eine Abhängigkeit sprechenden körperlichen Entzugserscheinungen nach längerer Nicht-Einnahme von LSD. Eine psychische Abhängigkeit ist wahrscheinlicher, da ein Konsument LSD eventuell nutzen würde, um der Wirklichkeit zu entfliehen oder seine Probleme zu vergessen. Wenn LSD dazu genutzt wird, um diese Effekte wenn möglich zu erzielen, könnte man von einer psychischen Abhängigkeit sprechen.

Dennoch ist es möglich und bekannt, dass während eines Rausches gerade solche Probleme wieder aus dem Bewussten und Unbewussten hervortreten, sodass der Anteil der auf diese Weise psychisch Abhängigen sehr gering sein müsste, weil es nicht wirklich zur Problemlösung beiträgt oder die ungelösten Probleme verdeckt.

LSD kann also meist über längere Zeit konsumiert werden, dieser LSD-Konsum kann beendet werden, ohne dass Probleme körperliche, psychische Entzugserscheinungen - auftreten können.

(V.H) Stellungnahme zur einleitenden Problemstellung

Wichtige Parallelen zwischen Neurobiologie und Verhalten sind nach den heutigen Erkenntnissen der Hirnforschung eindeutig erkennbar, wenn auch nicht vollständig zu beschreiben. Vor allem im Bereich des Verhaltens und der Stimmungslage eines berauschten Menschen lassen sich gut Zusammenhänge aufzeigen.

Aber auch bei der Verbindung der Sinnesfortleitung, dem serotoninergen System und der veränderten Wahrnehmung sind deutlich Zusammenhänge zu erkennen, alle genannten Mechanismen sind anatomisch wie funktionell dicht miteinander verbunden.

Und sogar in den komplexesten, für das Selbstbewusstsein und das Gedächtnis des Menschen verantwortlichen Gebilden unseres Gehirnes, im limbischen System und in der Großhirnrinde, lassen sich vielleicht nur vage - Verbindungen ziehen, die allein durch die Anwesenheit der Serotonin-Rezeptoren und den zahllosen Verschaltungen zu anderen, serotoninergen Neuronen belegt werden kann.

(V.I) Genetisch

Neben den zahlreichen Veränderungen im Gehirn und damit dem Verhalten und der Wahrnehmung wurden bei Konsumenten Chromosomenbrüche nachgewiesen. Missbildungen von Kindern sind möglicherweise ebenfalls auf die mutagene Wirkung des von der schwangeren Mutter (dauerhaft) konsumierten LSD zurückzuführen.

In beiden Fällen reichen tatsächliche Beweise für eine gesicherte Erkenntnis (noch) nicht aus. Die erbschädigende Wirkung tritt vermutlich zwar selten auf, dennoch mahnen die statistischen Ergebnisse gerade im Falle der schwangeren Mütter zur Vorsicht.

(V.J) Zusammenfassung

Somatisch

Cognitiv

Sinne und Wahrnehmung

Psychologisch

  • Mydriasis
  • Hyperglykämie
  • Stimulierung oder Hemmung der Atmung
    Piloerektion
  • Hypotonie
    Hyperthermie
  • Erbrechen
  • Brachykardie
  • gestörte Denkprozesse
  • Schwierigkeiten bei Ausdruck von Sachverhalten
  • Verschlechtertes Urteilsvermögen
  • Störung des Gedächtnisses
  • gesteigerte Stimulation durch Umwelt
  • Änderung in Form- und Farbwahrnehmung
  • Überschneidung mehrerer Sinnesmodalitäten
  • gestörte Zeitwahrnehmung
  • Halluzinationen
  • Depersonalisierung
  • Wiedererleben von unterdrückten Erinnerungen
  • Stimmungsschwankung in Abhängigkeit von der Umwelt
  • Euphorie Größenwahn
  • Schizophrenie-ähnlicher Zustand
  • leichter Suggestion zu unterwerfen

(Tabelle -1) Zusammenfassung der Effekte von LSD auf den menschlichen Körper

(V.K) Vergleich mit ähnlichen und anderen Rauschgiften

In diesem Abschnitt soll LSD mit anderen Rauschgiften verglichen werden. Einerseits vergleiche ich es mit einem anderen Halluzinogen und mit den weitaus bekannteren Rauschgiften Morphin bzw. Heroin. Dieser Vergleich soll als Grundlage dienen, um die Gefährlichkeit von LSD zu bestimmen

Meskalin
Meskalin

(K.1) Vergleich der Wirkung mit Meskalin

(K.1.i) Wirkung auf Körper und Körperfunktionen, Wahrnehmung und Verhalten

Meskalin ist ein Naturstoff (Pflanzenalkaloid) aus Kakteen und verursacht in Dosen von 0,4 0,6 Gramm unter die Haut gespritzt eine rauschartige gehobene Stimmung, die zwei bis fünf Stunden anhält. Zu Beginn des Rausches entstehen starke Schmerzen und eine Mydriasis, die den ganzen Rauschzustand hindurch anhält. Außerdem können Tachy- bzw. Brachykardie und Hyper- bzw. Hypotonie auftreten. Auch können neben Schweißausbrüchen der Angina pectoris ähnliche Schmerzen mit Atembeschwerden auftreten. Ebenso wie LSD ruft Meskalin starke Halluzinationen hervor. Diese sind bei wiederholten Versuchen an der gleichen Person mit der gleichen Dosis stark voneinander abweichend. Bei geringen Dosen entsteht ausschließlich eine Veränderung der Sinneswahrnehmung, bei höheren Dosen verändert sich die gesamte Bewusstseinslage, wobei Euphorie die am häufigsten auftretende Sinneserscheinung ist und keine negativen Eindrücke entstehen. Bei hohen Dosen verliert der Betroffene seine klare Wahrnehmung und sein Selbstbewusstsein. Ebenso lassen sich mit Hilfe von Meskalin mystische Erfahrungen machen.

Eine ähnliche Schädigung wie bei LSD des Sozialempfindens stellt sich bei Dauerkonsum von Meskalin ein. Es können ebenfalls Geisteskrankheiten mit Selbstmord als Folge auftreten. Bei hoher Dosis besteht die Gefahr, das Meskalin tödlich wirkt.

LSD ist das potenteste Halluzinogen. Obwohl die beiden Stoffe bei der für sie typischen Dosierung ähnliche Wirkungen zeigen, ist LSD populärer geworden.

(K.1.ii) Abhängigkeit

Über eine seelische und körperliche Abhängigkeit ist nichts bekannt. Zudem wirkt der bittere Geschmack des oral aufgenommenen Meskalins abschreckend. Jedoch tritt bei Dauerkonsum eine Konzentration auf den Rausch und eine Flucht vor der Realität ein, die weiteren Konsum eventuell begünstigt.

(K.1.iii) Medizinische Anwendung

Neben den medizinischen, klinischen Untersuchungen zur Erforschung der Wirksamkeit sind mir keine anderen häufigen medizinischen Anwendungen bekannt. Es wurde jedoch 1954 zur Behandlung neuroseerzeugenden Kindheitserlebnissen empfohlen.

Morphin
Morphin

(K.2) Vergleich mit Opiaten

(K.2.i) Wirkung auf Körper und Körperfunktionen, Wahrnehmung und Verhalten

Opium ist ein Naturstoff, der aus dem Schlafmohn gewonnen werden kann. Er besteht aus mehreren Alkaloiden, dessen wichtigstes und wirksamstes das Morphin (Morphium) ist. Die Wirkung von Morphin tritt ca. 30 Minuten nach oraler Aufnahme ein, diese klingt nach drei bis fünf Stunden ab, kann aber bis zu zwölf Stunden andauern. Heroin wirkt in geringeren Dosen wesentlich stärker als Morphin, ist jedoch ein sehr naher Verwandter des Morphins. Daher gilt der Abschnitt größtenteils für beide Rauschmittel.

Bei stärksten Vergiftungen fällt der Betroffene in einen tiefen Schlaf, während Puls und Temperatur immer weiter absinken, die Atmung irgendwann zum erliegen kommt und der Betroffene stirbt. Neben negativen Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen und Schweißausbrüchen überdeckt Morphin Sorgen, Schmerzen, Hunger, Angst, Müdigkeit, Heroin erzeugt zusätzlich ein starkes Gefühl der Glückseligkeit. Neben dem Auslöschen dieser unangenehmen Empfindungen sorgt es ebenso für einen positiven Genuss. Die höheren Hirnregionen bleiben vom Morphin nahezu unbeeinflusst, bei niedrigen Dosen lassen sich keine starken Bewusstseinsveränderungen nachweisen. Der Morphinsüchtige zieht sich meistens in die Einsamkeit zurück, den Heroinsüchtigen zieht es zu seinesgleichen, er hat ein höheres Aussprachebedürfnis.

Bei Dauerkonsum stellen sich eine seelische Abstumpfung und eine Art Selbsterhaltungstrieb ein, der sich auf die für das normale Leben notwendig gewordene Droge beschränkt. Konsumenten vernachlässigen ihr Äußeres, ihr soziales Leben oder ihre moralischen Vorstellungen (ehrliche Menschen werden zu Straftätern).

(K.2.ii) Abhängigkeit

An Morphin und Heroin gewöhnt sich der menschliche Organismus schnell: Bei Erstgebrauch würden 0,3 bis 0,4 Gramm ausreichen, um einen erwachsenen Menschen zu töten. Es gibt jedoch Dauerkonsumenten, die vier bis fünf Gramm, also mehr als zehnmal soviel täglich zu sich nehmen. Diese Gewöhnung setzt sich aus einer gesteigerten Fähigkeit zusammen, das Morphin zu zersetzen und der Anpassung der Körperzellen an das Morphin, sodass es zu einem essentiellen Baustein wird. Es bildet sich bei Dauerkonsumenten ein krankhaft veränderter, aber mit Hilfe von Morphin funktionierender Stoffwechselkreislauf, der jedoch durch das Absetzen von Morphin empfindlich gestört werden kann. Nach längerer Zeit geht diese Empfindlichkeit für Morphin wieder verloren, doch ist die Entstehung einer erneuten körperlichen Abhängigkeit wahrscheinlicher bzw. mit geringeren Dosen zu erreichen.

Eine seelische Abhängigkeit entsteht, wenn Betroffene Morphin und Heroin brauchen, damit sie sich nicht übermäßig schlecht, sondern normal fühlen. Morphin und Heroin heben den Stimmungszustand nicht übermäßig an, ihr Konsum erhält eher eine erträgliche Grundstimmung.

Bei einem Entzug an Dauerkonsumenten, die schon extrem hohe Dosen brauchen, um eine bestimmte Gefühlslage zu erreichen, wird dieser Entzug immer schwieriger. Meistens entstehen in der Phase des körperlichen Entzugs die Erscheinungen, die durch das Rauschgift bekämpft wurden, insgesamt sind die Betroffenen unruhig, leiden an Übelkeit, Erbrechen, Schweißausbrüchen, Schmerzen, Fieber und weiteren Symptomen. Nach 10 bis 14 Tagen des körperlichen Entzugs, der durch Zugabe verschiedener Ersatzstoffe oder anderer Hilfsmittel unterstützt werden kann, setzt die weitaus schwierigere Phase des seelischen Entzugs ein. Die Gefahr eines Rückfalls aufgrund seelischer Ursachen hält wesentlich länger an, dieser kann nur mit Entfernung aus dem Milieu, also von seinen Leidengenossen und Aufsicht begegnet werden. Ein gutes Beispiel für die hohe Rückfallquote der Heroinsüchtigen liefert das Buch "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo": Die Hauptperson, ein heroinsüchtiges Mädchen, welches in Berlin lebt und dort ihre abhängigen Freunde hat, entfernt sich zum Entzug z.B. zu ihrer Großmutter. Dort geht es ihr nach einigen Wochen wieder relativ gut, sie erzählt von einer Wandlung in ihrem Innenleben. Als sie nach Berlin zurückkehrt, nimmt sie zuerst wahr, wie schlecht es ihren Freunden geht. Doch nach vier Wochen in der Umgebung des Drogenmilieus und ihrer Freunde nimmt sie wieder die gleiche Dosis Heroin wie vor ihrem (angeblichen) Entzug. Hierbei wird deutlich, wie stark die seelische Abhängigkeit von Heroin werden kann. Erst als sie von ihrem getrennt lebenden Onkel aus Berlin heraus aufs Land gebracht wird, scheint sie einen Ausweg zu sehen.

(K.2.iii) Medizinische Anwendung

Morphin wurde und wird von der Medizin als starkes Schmerzmittel eingesetzt. Bei schweren Verletzungen gibt es trotz des hohen Abhängigkeitspotentials keine andere Möglichkeit, als Morphin einzusetzen. Trotz der relativ geringen Dosen können Patienten abhängig werden und sich nach ihrem medizinischen Morphinkonsum unkontrolliert weiter mit Morphin versorgen.

(K.3.) Zusammenfassung

LSD gehört zu der Gruppe der vergleichsweise eher harmlosen Rauschmittel. Es führt bei zu hoher Dosis nicht zum Tode und lässt auch keine extremen körperlichen oder seelischen Abhängigkeiten entstehen. Im Gegensatz zu den Opiaten wird es nicht zur Überdeckung von seelischen und körperlichen Missständen genutzt, sondern zur Bewusstseinserweiterung. Doch falls seine Wirkung zur Flucht aus dem realen Leben gebraucht werden sollte, umklammert es den Konsumenten, sodass ich von einer Abhängigkeit sprechen möchte. Doch es hat ein zu hohes Gefahrenpotential (Psychosen, Unfälle), als dass es zu einer "Volksdroge" wie Alkohol, Koffein oder Nikotin gemacht werden könnte oder gemacht werden sollte.

Im Gegensatz zu anderen Halluzinogenen, als Beispiel hier Meskalin aufgeführt, ist es wesentlich potenter. Das und sein vergleichsweise geringer Preis haben es den anderen Halluzinogenen schwer gemacht, gerade in der Zeit psychedelischen Bewegung eine vergleichbare Rolle einzunehmen. Heute, wo die Popularität aller Halluzinogene gesunken ist, ist LSD vergleichsweise das Bekannteste und am leichtesten zu beschaffene Halluzinogen.

(V.L) Vergleich mit echten psychotischen Störungen

Veränderungen bei

Modellpsychose, verursacht durch LSD

akute katatone Erregung (schizophrene Reaktion)

Akutes Delirium (Vergiftungspsychose)

Wahrnehmung

Illusionen, häufig intensivierte Wahrnehmung, Pseudohalluzinationen, Halluzinationen vor allem visueller Natur. Andere Halluzinationen selten.

Illusionen, selten intensivierte Wahrnehmung, Halluzinationen, vor allem akustischer Natur, aber auch visuelle. Andere Sinneshalluzinationen selten.

Illusionen. Halluzinationen, vor allem visueller Natur. Andere Sinneshalluzinationen sind selten.

Erkenntnisprozess

Beeinträchtigung der Kritikfähigkeit und des abstrakten Denkens in Situationen, wo Probleme praktisch gelöst werden müssen. Blockierung Beziehungsdenken. Wahnvorstellung, gestörte Gedankenbildung

Beträchtliche Beeinträchtigung der Kritikfähigkeit und des abstrakten Denkens. Blockierung, Verwendung von Metaphern. Beziehungsdenken. Bizarre Wahnvorstellungen. Gestörte Gedankenbildung

Beeinträchtigung von Kritikfähigkeit, Gedächtnis, Orientierung und abstraktem Denken. Beziehungsdenken. Wahnvorstellungen sind weniger bizarr, eher "vertraute" Konfabulationen

Affekte

Angst, Depression oder gehobene Stimmung, Ekstase. Unkontrolliertes Lachen oder Weinen

Angst, Schrecken. Selten Euphorie oder Ekstase. Mutismus, unpassende Stimmungen, Stupor

Angst, Furchtsamkeit, Verblüfftheit. Selten Euphorie

Verhalten

Passiv, selten unruhig oder überaktiv.

Gestikulierend, grimmassierend, zerstörerisch, zurückgezogen. Automatische Bewegungsabläufe, Negativismus, Feindseligkeit.

Aufgeregt, furchtsam, unruhig, stupurös, hyperaktiv.

Haltung

Leichter Tremor. Leichte Unsicherheit.

Völlige Unbeweglichkeit. Aufundabgehen wie ein gefangenes Tier. Einnehmen von starren Posen.

Zitternd. Abgehackte Bewegungen. Unsicherer Gang, Aaxie (Verlust der Bewegungskontrolle bei erhaltener Muskelkraft).

Bewusstsein

Verhältnismäßig klar.

Verhältnismäßig klar, aber festgelegt auf bestimmte Komplexe.

Unklar, konfgus. Wechselt von Stunde zu Stunde.

Realitätsprüfung

Leicht oder gemäßigt beeinträchtigt.

Stark beeinträchtigt.

Stark beeinträchtigt.

Sprache

Blockiert, zögernd manchmal unbeeinträchtigt.

Zusammenziehen, Alliterationen, Blockierungen, Echolalie.

Verwaschen, blockiert.

Ich-Grenzen

Depersonalisation. Derealisation

Depersonalisation. Derealisation

Depersonalisation.

(Tabelle 2) Vergleich von LSD-Rausch und echten psychotischen Störungen (Sydney Cohen, The Beyond Within, New York 1968)


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